1945 - 1949

Die Reaktivierung des KBV „Freya“ unter der britischen Militärregierung

 

Nach dem Kriege wollte sich das öffentliche Leben im Dorfe wieder normalisieren. Auch das Boßelspiel gehörte dazu, denn nach den vielen schwierigen Jahren vermittelte der traditionelle Boßelwettkampf am Sonntagvormittag ein Stück aus besseren Zeiten. Was es heißt, sich mit einer befehlshabenden Militärregierung über die Wiederaufnahme des Sportes auseinander zu setzen, bekamen Mitglieder des KBV „Freya“ zu spüren. Die englischen Offiziere kannten den traditionsreichen Sport der Ostfriesen nicht. Besonders beim Klootschießen schien den Engländern die Silbe „schießen“ suspekt. Harm Badberg und Johann Hüls mussten manche Tour nach Friedeburg ins Hauptquartier der Engländer unternehmen, bis sie Sinn und Zweck des Vereins verständlich gemacht hatten. Gemäß der Verordnung Nr. 9 Artikel I der britischen Militärregierung vom 15. September 1945, konnten öffentliche Versammlungen zu sportlichem Nutzen zwar ohne Genehmigung der Militärregierung abgehalten werden, doch musste der zweckgebundene Nutzen nachgewiesen werden. Die Übernahme alter Vereinsnamen wurde gestattet, sofern sie keinen militärischen oder politischen Anklang hatten. Der Name „Freya“, dem Freiheitsspruch der Friesen „Ela freya fresena“ (frei übersetzt „Lever dood as Slaav“) entlehnt, ging bei den Briten durch.

Vereine, deren Mitglieder über 18 Jahre alt waren, unterlagen nur den polizeilichen Bestimmungen. Wurden in einem Verein Jugendliche aufgenommen, so mussten sich sämtliche Erwachsene einem Genehmigungsverfahren durch die Militärregierung unterziehen. Damit sollte ein Missbrauch der Kinder und Jugendlichen wie mit der HJ und dem BDM verhindert werden. Dieser Paragraph war für „Freya“ ohne Belang. Man hatte das Eintrittsalter auf 18 Jahre festgelegt. Damit blieben langwierige Überprüfungen erspart, denn der Spielbetrieb sollte so bald wie möglich aufgenommen werden. Die Jugend konnte zu gegebener Zeit immer noch aufgenommen werden und die Engländer, so mag die Hoffnung gewesen sein, konnten schließlich nicht ewig bleiben.

 

Am 18. Mai 1946 wurde der Verein reaktiviert. Folgende Mitglieder fanden sich auf der ersten Sitzung ein: Edo Faß, Johann Hüls, Fr. Decker, Gerrit Dirks, Heinrich Ricklefs, Erich Erdwiens, Karl Janssen, Wilhelm Eberhard, Gerd Schmidt, Reinhard Dirks, Hero Badberg, Harm Badberg, Johann Ubben, Anton Backer, Menno Oldenettel, Heinrich Janssen, Gerhard Gerdes, Siegfried Lambertus und Hermann Janssen. Sie waren fast alle schon vor dem Krieg im „Freya“ aktiv gewesen. Der Verein zählte insgesamt 45 Mitglieder.

Als Hinterlassenschaft aus der Vorkriegszeit war dem KBV nicht mehr geblieben als ein leerer Schrank, vier zum Teil beschädigte Urkunden sowie ein Sparkassenbuch. Die alte Vereinsfahne war erhalten geblieben, doch sie fand einige Jahre später einen neuen Liebhaber und verschwand. Der Verlust des Banners wirkte schwer. Am 2. August 1947 wurde von der Versammlung eine Satzung angenommen und unterzeichnet. Sämtliche Ämter im Vorstand wurden als Ehrenämter festgelegt. Die Versammlungen sollten abwechselnd in den beiden Gaststätten „Zum roten Löwen“ und dem „Friesenhof“ abgehalten werden. Da das letztgenannte Haus über einen Saal verfügte, konnten hier gleichzeitig die Festlichkeiten des Vereins stattfinden. Jede Versammlung sollte beschlussfähig sein. Beschlüsse konnten mit einfacher Stimmenmehrheit gefasst werden. Bei Stimmengleichheit hatte ein Antrag als abgelehnt zu gelten. Über die Verwendung des Vermögens, so die Satzung, musste in zwei aufeinander folgenden Versammlungen ein gleichbleibender Beschluss gefasst werden. Dem Vorstand oblag auf schriftlichem Antrag von 1/3 der Mitglieder innerhalb von 14 Tagen eine Versammlung einzuberufen.

Die Auflösung des Vereins konnte erst erfolgen, wenn 4/5 der Mitglieder dafür stimmten. Der letztgenannte Paragraph sollte in der Folgezeit am wenigsten in Betracht kommen. Der Verein war schnell mit einer festen und breiten Basis im Dorf verwurzelt. Mit dem Spielbetrieb konnte auch das traditionsgemäße Boßelfest am Himmelfahrt wieder aufleben. Bei diesem Fest war das ganze Dorf auf den Beinen und beteiligte sich an den Wettkämpfen. Der Autoverkehr war gering und die Straße gehörte den Festteilnehmern. In der ersten Generalversammlung nach dem Kriege am 17. Januar 1947 bekam Wilhelm Saathoff den Auftrag, eine Klootschießermatte anzufertigen. Am 1. Juni 1947 und damit noch vor der Annahme der Vereinssatzung, fand das erste Sommerfest statt.

Auch andere ostfriesische Klootschießer- und Boßelvereine waren inzwischen reaktiviert worden. Um an auswärtigen Vergleichen teilnehmen zu können, liehen sich die Teilnehmer ein Auto. Mit dem Fahrzeug, voll besetzt mit Wettkämpfern, konnten entferntere Wettkampforte angefahren werden. In die Nachbargemeinden ging es selbstverständlich mit dem Fahrrad. Das erste Verbandsfest in Upschört fand am 24. August 1947 statt. Über das Vereinsjahr 1948 kam die Währungsreform. In der Generalversammlung am 14. Januar 1949 im „Roten Löwen“ wurde der Kassenbericht vom 1. Januar bis zum 20. Juni 1948 in Reichsmark und vom 21. Juni bis zum 31. Dezember in DM abgegeben. Am zweiten Ostertag des Jahres 1948 wurde ein Wettstreit gegen „Frisch weg“ Wiesedermeer, ein Jahr darauf ein erster Boßelwettstreit gegen „Fix wat mit“ Wiesede ausgetragen.

Das gesellige Vereinsleben innerhalb des Dorfes erfüllte die Aufgabe, Ablenkung von den täglichen Bedrückungen des Lebens zu schaffen und vermittelte nebenher das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Wie weit sich dieses Zusammengehörigkeitsgefühl in Upschört gerade über den KBV entwickelte und festigte, sollte die Zukunft noch zeigen. Zum Sommerfest im Jahre 1949 sollte von den jungen Boßlern der Saal im „Friesenhof“ geschmückt und die Bahnen ausgemessen werden. Das Fest sollte zünftig mit einer Kapelle gefeiert werden. Die Mittel waren knapp, aber man war in der Lage, zu improvisieren. Die Ansprüche hatten in den letzten Jahrzehnten immer wieder zurückgeschraubt werden müssen und waren entsprechend bescheiden. Für die Musik sollte jedes Mitglied ein Ei stiften. Die Musiker versammelten sich bei Wilhelm Saathoff und wurden von dort gemeinschaftlich zum Festsaal geleitet. 

Neben der Ausübung des Sportes auf Gemeinde- und Kreisebene wurden im Verein zahlreiche gesellige Unternehmungen durchgeführt, die über die Grenzen des Ortes hinaus führen sollten. So fand im Frühherbst 1949 ein Ausflug nach Oldenburg statt. In der Nachkriegszeit, in der man weitgehend ohne private Verkehrsmittel auskommen musste, hatten solche Ausflüge einen hohen Stellenwert.

 

Ein Ausflug des Boßelvereins zur Messeausstellung am 4.9.1949 in Oldenburg.

v.li.: Johanne Faß, ?, ?, Theda und Georg Ahlfs, Kind?, Erna Badberg, Hermann Janßen, Remmer Schrage, Diedrich Dirks, ?, Hans Behrends, Henny Lambertus, Grete Oldenettel, Hans-Hermann Ubben, Fritz Eberhard, ?, ?.

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